Lieber Axel Gerhard.

- (1933-2009)
Brief an einen Verstorbenen.
Lieber Axel!
Mensch, wie viele Jahre ist das nun schon her, dass wir uns kennen gelernt haben. Als Maler Dax wurdest du uns vorgestellt, und was haben dich deine Künstlerkollegen um diesen Künstlernamen beneidet. Maler Dax, das hatte was. Ahnte man damals schon, wie erfolgreich du mit deiner Malerei einmal sein würdest? Der Maler Dax wurde zum Begriff, und verzeih die schnöde Ausdruckweise, auch zu so einer Art Markenzeichen. Gerne kaufte man sich einen DAX. „Haben sie auch einen Dax?“, wurde gefragt. Das klang wie Musik.
Deine Bilder? Deine Motive? Nordische, lichtdurchflutete Landschaften. Sich auftürmende Wolkenformationen. Bisweilen kleinere Ausflüge in die figürliche Darstellung wie die von vielen so geliebten Clowns, aber auch Blumenmotive, alles in expressiven Farben, nie gekünstelt, sondern spontan und stets authentisch. Wir liebten und wir lieben sie.
Und dann deine Ausstellungen, Spiegelbilder deiner Arbeit, sie waren immer ein Erfolg.
Dein Atelier und das angrenzende Cafe? Sie wurden zur Begegnungsstätte vieler Kunstinteressierter. Hier konnte man diskutieren. Hier traf man endlich einmal den „Künstler zum Anfassen.“ Man suchte deine Nähe und freute sich, deine Bekanntschaft gemacht zu haben.
Texte von Ringelnatz, Erich Kästner, Siegfried Lenz und die schaurig schönen Galgenlieder von Christian Morgenstern waren hier zu hören. Von dir gelesen und musikalisch untermalt. Souverän und professionell. Da nahmen wir gerne die oft überfüllten Räumlichkeiten in Kauf.
Unvergessen die weihnachtlichen Lesungen im „Friesendom“ und in der Süderender Kirche. Besinnliche Texte, eingebunden in Musik, unterstützt durch deine Sängerkollegen.
Eine alljährliche Darbietung, der man sich kaum entziehen konnte.
Gerne hätten wir dir das alles schon zu Lebzeiten gesagt. Nun ist es zu spät. Du bist vor einiger Zeit von uns gegangen und hinterlässt hier eine Lücke, von der wir uns nicht vorstellen können, wer die einmal füllen sollte.
Mit dir haben wir nicht nur einen Freund verloren. Vielmehr fehlt unserer Insel nun einer ihrer interessantesten Bewohner und Kulturträger. Doch durch deine Bilder und Gedichte wirst du uns auch weiterhin erhalten bleiben.
Thomas Haubner
